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B u c  h - R e z e n s i o n  z u:

Francis Seeck

Zugang verwehrt

Verlag Atrium, 2022

- in Verbindung mit:
Andreas Kemper et al., Klassismus, Unrast-Verlag 2009

 
Zum Fehler eines neumodischen Theorems namens Klassismus


Das um die Wortschöpfung Klassismus sich rankende Thesengebäude versteht sich als theoretische Bereicherung im Verhältnis zu anderen Theorien über Diskriminierung wie Rassismus. Es sollen die grundlegenden Irrtümer um einen neumodischen Begriff aufgezeigt werden.

Bemerkenswert ist, dass sowohl die Sphäre der lohnarbeitenden Benutzung von Arbeitern als auch diejenige der Stigmatisierung/Herabsetzung der arbeitenden Klasse unter Diskriminierung gefasst wird, was einige Verharmlosungen und Fehlurteile in sich birgt.

Materielle Armut und Elend als Sache der Herabwürdigung zu fassen, verkennt, dass erst mal die gewaltbeladene ökonomische und rechtsstaatliche Herstellung und Durchsetzung der Scheidung in alle Reichtumsquellen monopolisierende Unternehmerklasse und deren Bereicherung andienende Arbeiterklasse davon geschieden ist, wie daran ein ideologischer Überbau einschließlich eines Systems von sozialstaatlichen Gemeinheiten geknüpft ist, also die raue Welt der Lohnarbeit keine Frage des moralischen Goutierens ist, allenfalls der Ausgangspunkt, die Grundlage für letzteres abgibt. Es ist die Absurdität, mit den aus den praktischen kapitalistischen Sauereien erwachsenen Vorstellungen benachteiligungsfreier Behandlungsdirektiven gegen die bürgerliche Realität anrennen zu wollen: der Slogan „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ setzt nicht außer Kraft, macht jedenfalls nicht ungeschehen die Herkunft unternehmerischer Kalkulationen mit unterschiedlicher Bezahlung; so sich an dieser Front sich sowas wie eine Annäherung an Diskriminierungsfreiheit einstellt, so sind dann z.B. Löhne für Frauenarbeit in Angleichung an die der Männer allenfalls ein neues Datum, Basis für die gar nicht angegriffene Abforderung dessen, was dann als verschärfte Ausbeutungsleistung auf dem Fuße folgt.

Zudem kommt es einer Übertreibung gleich, Lohnarbeit als Unterdrückung zu behaupten: es ist gerade der bequeme Umstand, mit der Eigentumslosigkeit in Bezug auf sämtliche Reproduktionsmittel dem „stummen Zwang“ des Geldverdienens durch Dienst an fremdem Geldreichtum ausgesetzt zu sein, der das Kapitalverhältnis auszeichnet – welche Alternativlosigkeit der Arbeit gegen Geld zwecks Überlebens staatlich abgesichert und befördert wird: nicht als regelrechte Abkommandierung, sondern weil sich ohne Geld materiell nichts schiebt, stellt es sich als notgedrungenes Einsehen dar, sich nützlich zu machen bei den Monopolisten über sämtlichen materiellen und Geldreichtum.

Was das Verhältnis von kapitalistischer ökonomischer Basis und den ideologischen Zuschreibungen/Wertschätzungen betrifft, ist es ein Widerspruch, für letztere als Ausgangspunkt die Klassenzugehörigkeit zu benennen, also einen Unterschied festzuhalten, was den polit-ökonomischen Status von Lohnabhängigen ausmacht und wie sich darauf ein moralischer Überbau draufsetzt so, dass das notorische Scheitern von Lohnarbeitern aufgrund der ökonomischen Übermacht der Kapitaleigner als Unvermögen, Unfähigkeit, schlechte Charaktereigenschaften der Angehörigen der Arbeiterschaft denunziert wird – und zugleich die These aufzustellen, alles unterschiedslos als Diskriminierung einzuordnen: Ausbeutung und deren Ausprägungen als Benachteiligung verniedlicht deren ökonomischen wie politischen Gewaltcharakter (ist folglich keine Frage schlechten Willens) - wie der Absage an die „Nicht-Anerkennungs- und Aberkennungskulturen“ in Bezug auf Arbeitende und Arbeitslose einige Übertreibendes in Sachen von deren Destruktionskraft zugeschrieben wird. Wo man beides kaum mehr auseinanderzuhalten in der Lage ist, wenn sowohl das eine als auch das andere als Sache des guten Benimms gegenüber den Armen und Ausgebeuteten besprochen wird. Im indirekten Wortlaut der Theoretiker des Klassismus:

Es bedürfe der direkten Diskriminierungsformen (womit wohl die Ebene des „materiellen Elends“ gemeint ist) und (!) Nichtankerkennungs- und Aberkennungskulturen, um die materielle Ungleichheit aufrechtzuerhalten.